NO13 DOCTORS ISSUE(S)
New Yorks Facelift Maestro, Rihannas Gynäkologin und das Comeback der Apotheken Umschau
Hallo und einmal tief einatmen!
Die letzten Wochen waren turbulent. Das Internet diskutiert panisch, ob Matcha Latte Eisenmangel verursacht und der Eltern-Mythos “niemals Hochziehen” ist offiziell entkräftet (Schnäuzen belastet nämlich die Nebenhöhlen). In der Glow Down Redaktion haben wir inzwischen sowohl den Verdacht auf eine Hochfrequenzschwerhörigkeit, als auch auf Vogelgrippe aus dem Weg geräumt. Und ganz nebenbei endlich eine Hausärztin gefunden – einmal im Münchner Vorort (der Terminverfügbarkeit wegen), einmal in Charlottenburg (cosplaying: privatversichert).
Auch wir würden gerne möglichst lang und faltenfrei leben, schlucken Supplements (Vitamin C+Zink), optimieren unseren Schlaf (vergeblich) und embracen Augenringe als neuen Beauty-Trend. Der Begriff Healthcare hat sich in den vergangenen Jahren extrem erweitert – Gesundheit ist zum Vollzeitjob geworden. Deshalb widmen wir uns heute denen, die längst nicht mehr nur heilen, sondern auch vorsorgen, optimieren, verlängern.
Wenn euch die Longevity von Glow Down am Herzen liegt, freuen wir uns über eine kleine Unterstützung.
🩺 Dr. A: Rihannas Gynäkologin
Auf die Frage, was das Beste an L.A. sei, antwortete Rihanna im Interview Magazin: „My gynecologist”. Sie würde diese Ärztin für nichts in der Welt tauschen. Wir sprechen über Dr. Thaïs Aliabadi – in Beverly Hills bekannt als Dr. A. Sie brachte nicht nur Rihannas Babys RZA, Riot und Rocki zur Welt, sondern auch Hailey Biebers Sohn und mehrere Kardashian Kids. Dr. A sieht nach Grey’s Anatomy aus, lässt unter Celebrity-Baby-Posts „I love you soooo much“-Kommentare da und erklärt auf Instagram, während sie durch L.A. fährt, den Unterschied zwischen oralem und genitalen Herpes.
Geliebt wird sie nämlich nicht nur für ihre Skills in der Geburtshilfe, sondern vor allem für ihre ausführlichen Vorsorgeuntersuchungen. Insider sprechen von der „Aliabadi-formula“. Ein Termin bei Dr. A geht weit über einen Pap-Abstrich hinaus, sie berechnet das Krebsrisiko von Patientinnen, führt Beckenultraschalls und beschäftigt sich intensiv mit Endometriose. SZA hat nach einer Untersuchung bei Dr. A. ihre Brustimplantate rausnehmen lassen (höheres Brustkrebrisiko aufgrund familiärer Vorbelastung), Florence Pugh denkt nach einer Endometriose-Diagnose über Social Freezing nach.
Bekannt ist das alles, weil Dr. A., na klar, auch einen Podcast hat: in „SHE MD“ erzählen Celebrities von ihren Behandlungen. Dr. A., die längst keine Kassenpatient:innen mehr nimmt, sagt, sie möchte mit dem Podcast aufklären, empowern, kostenloses Wissen zur Verfügung stellen (und macht gleichzeitig Werbung für ihr eigenes Nahrungsergänzungspulver ). Über ihre berühmten Patientinnen reflektiert sie überraschend ehrlich: “They are the most privileged women in this world — especially when it comes to access to medical care. These are women who have good insurance. They can afford going to any doctor on this planet and yet their symptoms are [still] dismissed.“
🩺 Special: “Dr. Perfect” – Lenas und Noras investigativer Podcast
Meine Kollegin Lena und ich (Nora) haben uns in den vergangenen Monaten investigativ in den Fall eines plastischen Chirurgen aus Süddeutschland eingegraben. In unserem Storytelling-Podcast “Dr. Perfect”, der seit vergangener Woche auf Audible zu hören ist, geht es um einen Beauty-Doc, dem Dutzende Frauen zwischen 2017 und 2019 Behandlungsfehler und Vertrauensmissbrauch vorwerfen. Der Arzt hat seine Approbation verloren, seine Patient:innen kämpfen teilweise bis heute um Schmerzensgeld und Gerechtigkeit.
In sechs Folgen sezieren wir nicht nur das Geschäft mit der Schönheit, sondern zeigen auch strukturelle Probleme im Gesundheitswesen. Wie kann ein Arzt, der schon lange bei der Ärztekammer und dem Gesundheitsamt gemeldet wurde, noch monatelang weiter operieren? Wie kann es sein, dass dieser Chirurg auf Bewertungsplattformen trotz diverser Komplikationen mit Top Bewertungen glänzte?
Wir beschäftigen uns in “Dr. Perfect” mit dem Gott-in-Weiß-Syndrom, aber auch mit Ärzten, die heute manchmal mehr Verkäufer sind als Gesundmacher. Einer unserer Gesprächspartner, der Medizinethiker Georg Marckmann sagte im Interview: “Ästhetische Chirurgie ist sehr viel vulnerabler, also gefährdeter für Einflüsse ökonomischen oder vielleicht auch kommerziellen Denkens”. Was er damit meint: In der “wunscherfüllenden Medizin” werden Patient:innen zu Kund:innen – mit dem Unterschied, dass eine falsche Entscheidung das Leben kosten kann.
🩺 Dr. Levine: New Yorks Facelift Maestro

Wir sind spät dran, hier nochmal die gut gealterten News: Kardashian-Mom Kris Jenner, 70, hatte ein Facelift und sieht so spurlos jung aus, dass sie derzeit regelmäßig für ihre Tochter Kim gehalten wird. Beim “Deep Plane Facelift” wird anders als bei überholten Lifting-Methoden nicht nur die Haut nach hinten gespannt, sondern konsequenterweise das gesamte Gewebe des Gesichts einschließlich der Muskeln neu positioniert. Und das so präzise, dass man so gut wie keine Narben sieht. Auf Fotos glitzert in Jenners neuem Gesicht einfach nur faltenfreie Haut, sonst nichts. Sie ist somit das uncanny Best Practice für die ästhetische Chirurgie, die immer genau dorthin wollte: Unentdeckt bleiben. Und während Millionen von Frauen jetzt vor dem Spiegel Falten zählen, zeigt Kim sich erleichtert: “I’m so happy, now I know where I can go, when the time comes.”
Vermutlich hat sie sich längst einen OP-Tisch vorgemerkt beim New Yorker Beauty-Doc Steven Levine, dem Schöpfer hinter Kris Jenners neuem Look – und Special Guest auf ihrem 70. Geburtstag. Dr. Levine, ein junger plastisch-rekonstruktiver Chirurg mit Praxis in Manhatten, der auf Videos nie blinzelt (is he real?!) ist bekannt für sein Händchen für “natürliche” Ästhetik, hat Teenie-Fotos von Jenner studiert – und damit ihm nicht alle die Praxis einrennen, nimmt er Patient:innen nur auf Empfehlung. Kostenpunkt für ein Beratungsgespräch laut einer Yelp-Bewertung: 4.500 US-Dollar. Weil aber selbst das im Kreis der Superreichen noch niemanden abschreckt, hat Kris mit ihrem Doc ein geheimes Passwort vereinbart. Nur wer es kennt, kriegt einen Termin. Vorschläge gerne in die Kommentare.
Comeback der Woche
Bekannt als “Rentner Bravo”, belächelt als “Stützstrumpf der Nation”, definierte Zielgruppe war mal Ü40, jetzt liegt sie auch auf unserem Nachttisch: Die Apotheken Umschau. Nachdem uns ChatGPT Gallensteine diagnostiziert und Doctoblib erst wieder Termine für 2026 anbietet, bringt sie uns als einzige gecheckte Gesundheitsfacts und wirkt besser als Baldrian. Überzeugend auf TikTok wie Instagram (“Ich hab mich in meinen Zahnarzt verliebt. Kann ich ihn um ein Date bitten?” Ein Paarberater klärt auf) und seit Juni mit neuer Kolumne von Margarete Stokowski. Das Magazin gibt es seit 1956, während die Print-Auflage leicht sank, bleibt die Reichweite stabil – weit vor dem Spiegel. Außerdem wiederentdeckt, ein weiteres Magazin mit Heilkraft: Das Medizini.
Tipp!
In der aktuellen Podcastfolge von “Fashion The Gaze”, sprechen Dr. Vera Klocke (yes! another Doctor <3), Freya Hermann und Caspar Weimann über Longevity als rechte Überlegenheitsfantasie. Longevity – die Idee eines langen, möglichst gesunden Lebens - geht davon aus, dass Altern ein biologischer Prozess ist, den man verlangsamen oder sogar umkehren kann. Zwischen Genanalyse, Blutverjüngung und Bio-Tracking verschwimmen die Grenzen zwischen Gesundheitsvorsorge, Selbstoptimierung und einem transhumanistischen Zukunftsversprechen. “Fashion The Gaze” sprechen über Männer, wie den Longevity-Guru Bryan Johnson, 48, der sein biologisches Alter auf 18 Jahre schätzt (u.a. durch Bluttransfusionen seinen Sohnes) und auf TikTok in “Dont’t die” Shirt seine Schlafroutinen erklärt. Ein Genuss!










